Recruiting: Warum Sie bald keine Bewerbungsunterlagen mehr erhalten

Recruiting: Warum Sie bald keine Bewerbungsunterlagen mehr erhalten

  • Standardprozesse im Recruiting sind out
  • Geschwindigkeit in der Personalgewinnung ist in
  • Hürdenabbau in der Kommunikationsaufnahme ist Pflicht

 

Liebe Fachabteilung, liebe Hiring Manager – freundet euch bitte mit dem Gedanken an, dass ihr bald keine Bewerbungsunterlagen mehr bekommen werdet. Für viele Führungskräfte aus den Fachabteilungen heute noch fast undenkbar, ist es Recruitern und HR-Leitern schon länger klar: In Zeiten des Arbeitnehmermarkts werden bald keine Bewerbungsunterlagen mehr eingehen.

Schöne alte Welt

Ich höre immer wieder aus den Fachabteilungen: „Früher war das alles noch so klar und einfach. Wir haben unseren Recruitern mitgeteilt, welche Personen wir zu welchem Zeitpunkt mit welchem Skillset benötigen. Schon ein paar Tage oder wenige Wochen später hatten wir eine Auswahl an diversen Unterlagen von Bewerbern, wovon wir einige in die engere Wahl genommen und zum Gespräch eingeladen haben.“ Doch längst haben auch die Fachabteilungen festgestellt, die Zeiten dieses Standardszenarios sind schlichtweg zu Ende. Doch wenn dieser Prozess kaum noch bis gar nicht mehr praktikabel ist, was kommt stattdessen? Was müssen wir tun? Da habe ich zwei simple Antworten für Sie:

  • Sie ignorieren einfach, dass sich alles um Sie herum ändert und machen weiter wie gehabt. Auch dieser Kelch wird schon irgendwie an Ihnen vorübergehen. Sobald die nächste Krise kommt, ist doch alles wie immer, nicht wahr? Nennen wir dieses Vorgehen mal Vogel-Strauß-Taktik.
  • Sie realisieren, dass Sie als Fachabteilung und Ihre HR-Abteilung aktiv werden dürfen. Sie schneiden Ihre alten Zöpfe ab und verständigen sich auf ein neues Szenario. Nennen wir dieses Vorgehen die Aktiv-Personal-Taktik.

Für welches Szenario Sie sich entscheiden, liegt selbst verständlich in Ihrer Hand. Getreu dem Motto – nichts muss, alles kann! 

Speed is king

Die größte Herausforderung in der Personalgewinnung der Zukunft – die meiner Meinung nach heute schon ist – liegt in diesen Punkten:

  1. Nicht die Identifizierung der passenden Kandidaten ist herausfordernd, sondern mit ihnen in Kontakt zu kommen.
  2. Die Challenge besteht darin, alle Hürden der Kontaktaufnahmen abzubauen und schnellstmöglich mit passenden Interessenten zu kommunizieren.

Mittels Social Media ist es für Headhunter und Recruiter heute wirklich kein Problem mehr, die passenden Kandidaten zu identifizieren. Solange Menschen im Internet aktiv sind, hinterlassen Sie Spuren - und wer Spuren hinterlässt, ist auch auffindbar. Die deutlich größere Hürde liegt darin, mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen. Stellen Sie sich einfach vor, dass Sie zwanzigmal in der Woche aktive Mails, SMS usw. bekommen, wo Ihnen jemand mitteilen möchte: „We are hiring oder Sie sind genau der Richtige“.  Was glauben Sie? Wie hoch ist die Motivation der Kandidaten, Ihnen auf diese Kontaktversuche eine Antwort zu geben?

 

Doch sollten Sie es geschafft haben, die Aufmerksamkeit genau auf Ihr Unternehmen oder Ihr Stellenangebot zu lenken – und da helfen meiner Meinung nach nur transparente USPs mit einer klaren Botschaft – dann sollten Sie ab jetzt pfeilschnell sein. Denn jeder Tag, der zwischen Ihrer Kontaktaufnahme und einem Vertrag liegt, ist ein Tag gegen Sie - nicht für Sie und Ihr Unternehmen. Das muss Ihnen und vor allem Ihrer Fachabteilung klar sein.

Sollten Sie jetzt vom Kandidaten – für mich passt „Interessent“ in diesem Zusammenhang viel besser, da dieser Mensch sich nicht bei Ihnen beworben hat, sondern Sie in aktiv kontaktiert haben – klassische Bewerbungsunterlagen verlangen, verpassen Sie jede Chance auf einen intensiven, direkten Austausch. Ein stark umworbener IT-Experte beispielsweise hat es einfach nicht mehr nötig, Unterlagen einzureichen und für sich auf Papier zu werben. Und Sie haben doch alles, was Sie für ein erstes Gespräch benötigen. Der Name und eine Telefonnummer (XING, LinkedIn oder Experteer Profil) sind die einzigen Fakten, die Sie für ein erstes Gespräch benötigen. Was fehlt da noch – meiner Meinung nach nichts mehr!

Liebe Fachabteilung: Ihr wollt Menschen kennenlernen, keine Unterlagen studieren

Es ist kein Geheimnis: Umso schneller Sie, lieber Fachbereich, in der Kontaktaufnahme sind, desto höher ist die Chance, dass Menschen sich nachhaltig für Ihr Unternehmen und Ihr Aufgabenfeld interessieren. Es ist einfach wichtig zu verstehen, dass Sie weniger bis gar keine klassischen Bewerbungsunterlagen mehr bekommen werden. Sobald Sie das akzeptiert haben und sich offener im direkten Austausch mit sämtlichen Möglichkeiten zeigen, wird es auch mehr spannende Gespräche mit Interessenten geben.

Last but not least: Die TOP-Ausrede!

Ich höre auch immer wieder von Entscheidern im Recruitingprozess folgenden Satz: „Wenn ein Bewerber nicht in der Lage ist, uns ordentliche Unterlagen zu senden, dann hat er auch kein Interesse“. Das ist schlichtweg Gedankengut aus den 1990. Vergessen Sie diese Aussage am besten bitte ganz schnell, denn sie ist einfach nicht wahr. Die Umstände haben sich verändert - und nun sind Sie am Zug, aktiv zu werden.