Branche im Wandel:  IT- & Unternehmensberatungen stehen vor massiven Veränderungen

Branche im Wandel: IT- & Unternehmensberatungen stehen vor massiven Veränderungen

 

  • Personalmanagement: Mitarbeiter finden, binden und entwickeln
  • Authentische Führung
  • Transformation des Businessmodells
  • Transformation der Unternehmens-DNA

 Die deutsche IT- und Unternehmensberatungsbrache steht vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Die Unternehmen sind gezwungen, ihre strategische Ausrichtung grundlegend neu zu konzipieren. Von einem erfolgreichen Wandel hängt die Wachstumsperspektive für die kommenden Jahre ab. In diesem Prozess, der durch die Corona-Krise nur deutlich beschleunigt wurde, stecken große Chancen – sofern die internen Baustellen offen und ehrlich benannt und akzeptiert werden. In diesem Artikel weise ich auf die vier größten Handlungsfelder hin. In den kommenden Wochen werde ich zu jedem Aspekt einen vertiefenden Artikel veröffentlichen. Ein Patentrezept, das auf alle Marktteilnehmer gleichermaßen passt, sehe ich aktuell nicht.

 

Personalmanagement: Mitarbeiter finden, binden und entwickeln

Wann verlassen Sie das Personalkarussell? Lassen Sie uns offen und ehrlich sprechen: Bis Januar 2020 waren Sie im Personalkarussell, sprich Sie haben oft Mitarbeiter gewonnen und dann auch wieder welche verloren. Natürlich haben Sie große Anstrengungen unternommen, immer wieder neue Teammitglieder zu bekommen – doch einen großen Sprung haben Sie nicht gemacht, oder täusche ich mich?

Die meisten Unternehmen versuchten mit Einzelaktionen wie Active Sourcing, Employer Branding und noch viele mehr punktuell hervorzustechen. Das hat auch teilweise recht gut funktioniert. Doch sobald Sie immer noch die „Eierlegende Wollmilchsau“ gesucht haben oder den „klassischen Berater, der 4 Tage pro Woche beim Kunden ist“, mussten Sie sich mit allen anderen Unternehmen um eine begrenzte Anzahl von Kandidaten schlagen. Seit dem Ausbruch von Covid19 hat das abrupt ein Ende gefunden. Laut einer aktuellen Studie geben nur 20 Prozent der Unternehmen an, noch aktiv Personal zu suchen. Schade, denn Recruiting lässt sich nicht an- und ausschalten. Ich frage mich, was machen die anderen 80 Prozent im Moment? Nutzen Sie jetzt Ihre Chance und stellen Sie sich strategisch neu im Personalmanagement auf. Hinterfragen Sie jeden einzelnen Schritt in Ihrem Personalprozess. Müssen es denn wirklich drei Vorstellungsgespräche sein – ich sage nein. Hinterfragen Sie ehrlich jede Ihrer Aktionen, ob diese dem Ziel der Personalgewinnung dienen oder Menschen nur abschreckt. Sie werden verwundert sein, welche Hürden Sie Ihren Interessenten eingebaut haben, um mit Ihnen in Kontakt kommen zu können und zu wollen.

Für jedes IT Unternehmen ist im aktuellen Stillstand eine große Chance enthalten. Werden Sie aktiv und initiieren Sie Workshops zum Thema Personalstrategie! Die Unternehmen, die sich heute strategisch neu aufstellen, werden nach der Krise, die sicherlich vorbeigeht, die Gewinner am Personalmarkt sein. Wichtig und entscheidend ist jedoch, dass dies als Gesamtunternehmensprozess gesehen und aufgesetzt wird – das ist kein separiertes HR Thema.

 

Authentische Führung

 „Mitarbeiter verlassen keine Unternehmen, sondern Chefs“, so heißt es. Warum ist das so?

Mitarbeiter verlieren die Orientierung

Das größte Problem in der Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern ist eine nicht wahrhaftige Führung. Meiner Meinung nach leidet das Verhältnis zu den Mitarbeitern vor allem dann, wenn der Anspruch der Führungskraft an sich selbst nicht mit der gelebten Realität im Unternehmen übereinstimmt. Etwa, wenn sie Entscheidungen durchreicht, deren Grundlage sie an anderer Stelle kritisiert. Wenn der Mitarbeiter diese Dissonanz im Alltag immer wieder erlebt, führt das unweigerlich zu Frustration und Unsicherheit. Mitarbeiter fangen an, die Orientierung zu verlieren.

Das Problem manifestiert sich vor allem auch in der Art und Weise, wie Entscheidungen kommuniziert werden. Ich erlebe immer wieder, dass Führungskräfte nicht so offen sprechen, wie sie es müssten. Besonders wichtig ist das jedoch vor allem dann, wenn Strategiewechsel anstehen. Warum wird die Richtung gewechselt? Was bedeutet das für das Team? Wie ist es zu der Entscheidung gekommen? Wer ist einbezogen worden? Dabei ist Transparenz nicht nur entscheidend für Vertrauen und eine erfolgreiche Zusammenarbeit, sondern auch die Grundlage für Sympathien. Wer seine Kommunikation zu stark kontrolliert, wirkt unnatürlich und gehemmt. Die Konsequenz: Die Loyalität sinkt und die Beziehung bekommt ordentliche Kratzer.

Um dieses Problem zu lösen, müssen Führungskräfte Offenheit, Ehrlichkeit und den Mut mitbringen, die nötigen Dinge anzusprechen. Wer eine Hidden Agenda hat, ist unehrlich. Das merken auch die Mitarbeiter. Wer authentisch agieren möchte, der muss sich zuerst selbst kennen und akzeptieren – er ist sich seiner und seinen Motiven bewusst. Vorher ist es schlichtweg fahrlässig, Mitarbeiter zu führen. 

Hierin liegt die große Chance. Sobald Unternehmen ihren Führungskräften hierfür die Möglichkeit geben, sozusagen den Rahmen schaffen, erleben wir eine Revolution in der Führung. Dieser wirkt sich nachhaltig und gewinnbringend auf das ganze Unternehmen aus.  

 

Transformation des Businessmodells

Jahrzehntelang bestand das Geschäftsmodell der Consulting Branche in der Entsendung von smarten Mitarbeitern in die Kundenorganisationen, um deren vordringlichste Probleme und Herausforderungen zu lösen. Ob die Definition einer neuen Strategie, Kostensenkungsmaßnahmen oder die Einführung neuer Technologien anstanden, die Beratungsbranche hatte immer die richtigen Konzepte zu bieten. Hohe zweistellige jährliche Wachstumsraten der Beraterumsätze galten als normal. Inzwischen sorgen sich die Beratungsunternehmen um langsames Wachstum, Verdrängungswettbewerb und Konsolidierung.

Durch den massiven technischen Wandel wie beispielsweise Cloudanwendungen und den starken Zuwachs an AMS (Application Management Services) verändern sich auch die Businessmodelle in der Consulting Branche. Die Corona-Krise hat auch klar gezeigt, dass es durchaus möglich ist, die Mitarbeiter zu 100 Prozent im Homeoffice arbeiten zu lassen und trotzdem ihre Kundenprojekte vorantreiben und abwickeln zu lassen.

Meiner Meinung nach wird es schon Ende 2020 nicht mehr nötig sein, dass Berater ständig vor Ort beim Kunden sind. Ich denke, dass sich in den kommenden Jahren eher ein neues Businessmodell durchsetzen wird, das wie folgt aussehen kann: Ein Lead Architekt oder ein Team aus Architekten konzipiert mit dem Kunden die ERP- oder IoT-Lösung. Danach wird es die Aufgabe des Architektenteams sein, ein internes Team von Beratern, egal wo diese auch sitzen, zu moderieren. Die großen Beratungsunternehmen haben dieses Modell schon praktiziert und ich denke, dass dies bald im Mittelstand Einzug halten wird. Die wenigsten Kunden wollen ständig externe Berater im Hause haben. Es geht vordergründig darum, das Ziel der gelungenen Software Einführung im Blick zu haben und zu erreichen. Das hat Priorität für den Kunden.

Des Weiteren sehe ich eine massive Abnahme des klassischen Bodyleasing-Modells. Wie wir heute schon sehen, fliegen diese Firmen als erstes vom Projekt, da ihre Dienstleitung vergleichbar und austauschbar ist. Ich gehe im nächsten Artikel darauf detailliert ein.

 

Transformation der Unternehmens-DNA

Wie unterscheiden sich IT- und Unternehmensberatungen? Wie schaffen Sie es als Unternehmen, unverwechselbar zu sein? Wie schaffen Sie es, einen einzigartigen Brand aufzubauen? Diese Fragen beschäftigen Unternehmer in meinen Workshops und wir starten diese Reise meist mit der Frage: Warum gibt es Ihr Unternehmen? Mit welcher Vision haben Sie sich zur Gründung entschlossen? Was sich so einfach anhört, ist meist der Start eines internen Strategie- und Positionierungsprojekts. Vorab sei gesagt, es gibt auch für IT- und Unternehmensberatungen die Chance, sich hier völlig neu zu platzieren und sich somit zukunftsfähig aufzustellen.

Fazit:

Die Geschäfte liefen überdurchschnittlich erfolgreich, egal ob das Businessmodell gut oder nur mäßig tragend war. Die Branche der IT- und Unternehmensberatungen befand sich in goldenen Zeiten. IT und Technologie war so gefragt wie nie. Das wird auch in der mittelbaren Zukunft nach der Corona-Zeit so sein – doch nicht automatisch für alle Unternehmen. Nur wer sich heute um zukünftig tragende Wachstumsperspektiven kümmert, wird einen enormen Schub erleben. Alle anderen, die versuchen einfach weiterzumachen wie bisher, denen sage ich:

„Wenn sich die ganze Welt ändert, dann können Sie und Ihr Unternehmen nicht einfach nichts tun.“