New Work beginnt, sobald du die Individualität deiner Mitarbeiter akzeptierst und würdigst

New Work beginnt, sobald du die Individualität deiner Mitarbeiter akzeptierst und würdigst

  • Stoppe die Bevormundung deiner Mitarbeiter!
  • Die Alternative: “ROWE - Results-only Work Environment“
  • Verlasse die alten Schablonen und Muster

 Klar, New Work machen wir doch alle. Jetzt, wo doch jeder (im Service Bereich) im Homeoffice arbeiten darf, muss oder soll, schreibt sich jeder New Work auf die Fahnen. Das hört sich ja auch einfach mal gut an, oder? Für mich hat Homeoffice recht wenig mit New Work zu tun – wie siehst du das?

Stoppe die Bevormundung deiner Mitarbeiter!

Ein Geschäftsführer erzählte mir neulich, dass er es einfach nicht verstehen könne, wie engagiert seine Mitarbeiter in der Freizeit seien. Da würden soziale Projekte initiiert, ganze Vereine gegründet und unheimlich viel Zeit und Energie in nicht bezahlte Aktivitäten investiert. Lieber Frank, was müsste ich denn tun, damit die Menschen nur einen Teil dieser Energie in die Arbeit statt in ihre privaten Aktivitäten einfließen lassen würden?

Meine Antwort lautet: Stoppe als erstes die Bevormundung deiner Mitarbeiter, lieber Klaus. Dann hast du eine Chance, dass Teile dieses Engagements auch in die Arbeit fließen. Kann das wirklich so einfach sein, Frank? Von einfach war nie die Rede, Klaus, aber es wäre ein Anfang in die richtige Richtung. Schauen wir es uns genauer an, was damit gemeint ist.

Heute entscheidest du, ob deine Mitarbeiter im Homeoffice oder am Standort arbeiten, wann sie ihre Arbeit starten und wieviel Zeit sie in ihre Arbeit investieren müssen. Du sagst ihnen, ob ihr Urlaub genehmigt wird oder nicht und du entscheidest, wieviel Geld du bereit bist zu bezahlen. Somit kaufst du dir klassisch „Zeit gegen Geld“, Klaus. Bei diesem Tauschgeschäft darfst du auch nicht verwundert sein, wenn du für dein Geld nur begrenzt Zeit bekommst. Das ist der Deal.  

Wenn du derjenige bist, der bisher alle Entscheidungen für deinen Mitarbeiter getroffen hat, warum sollte sie oder er mehr geben als verlangt?

Klaus, wenn du volles Engagement deiner Mitarbeiter möchtest, dann gib ihnen ihre Wahlmöglichkeit und Entscheidungsmacht zurück. Lass deinen Mitarbeiter selbst bestimmen, wann, wo und wie viel sie arbeiten möchten. Wichtig ist doch, dass sie ihre Arbeit machen, Projekte erledigen und die Kunden am Ende des Tages zufrieden sind. Das Ergebnis zählt doch - und nicht, wie viele Stunden die Damen und Herren, vielleicht sogar stellenweise ineffektiv, arbeiten.

Großes Veto von Klaus: „Dann werden mich meine Mitarbeiter doch hintergehen und sich auf die faule Haut legen!“ „Bist du dir da sicher, Klaus? Ich sage dir, sobald du deinen Mitarbeitern bedingungslos vertraust, bekommst du mehr Zeit, Engagement und bessere Arbeitsergebnisse zurück. You go first, Klaus! Wenn du bessere Resultate erhalten willst, darfst du deinen Leuten einen Vertrauensvorschuss geben – anders geht das nicht.“

 

Die Alternative: “ROWE - Results-only Work Environment“ (1)

Es geht um eine Arbeitsumgebung, in der nur die Ergebnisse zählen – und nicht wann, wie und wo ein Angestellter arbeitet.

Ziel dieses Modells ist es, dass alle Mitarbeiter ihre Arbeitszeit und -weise frei gestalten können. Es geht nicht darum, manchen ab und an einen Tag im Homeoffice zu genehmigen. Vielmehr sollen die Mitarbeiter zu 100 Prozent die Verantwortung für die Art und Weise tragen, wie sie zu den gewünschten Ergebnissen kommen. Die Hoffnung dahinter: Sie fühlen sich nicht eingeengt und sind darum motivierter. Das ist ein Gegenkonzept zu der Präsenzkultur, bei der Arbeitgeber Wert darauf legen, dass ihre Mitarbeiter zu festen Zeiten beispielsweise im Büro sind. Vertrauen statt Stechuhr. Aber kann das in der Praxis tatsächlich funktionieren? Diese Frage sollte jeder Unternehmer für seine Firma abwägen. Es gibt wie bei allem Argumente dafür und dagegen.

Dafür spricht:

  • Viele Mitarbeiter dürften zufriedener sein - zufriedener heißt meist auch motivierter.
  • Forscher der University of Minnesota (2) kamen in einer 2011 veröffentlichten Studie mit 659 Teilnehmern zu dem Ergebnis, dass sich das Modell positiv auf die Gesundheit von Mitarbeitern auswirken kann. 
  • Beruf und Familie lassen sich für die Mitarbeiter besser vereinbaren.
  • Es herrscht Fachkräftemangel und es wird viel über Work-Life-Balance diskutiert. Unternehmen, die es ihren Mitarbeitern überlassen, die richtige Balance zu finden, dürften für potenzielle Bewerber besonders attraktiv sein.

Dagegen spricht:

  • Das Konzept passt nur im Service Bereich-
  • Nicht jeder Mitarbeiter hat genug Selbstdisziplin und Eigenmotivation - somit ist das Prinzip Gießkanne nicht pauschal anwendbar, sondern muss individuell betrachtet werden.
  • Wenn Ergebnisse das einzige sind, an dem Mitarbeiter gemessen werden, könnte der Zusammenhalt im Team darunter leiden. 

Wichtig ist mir an dieser Stelle, lieber Klaus, dass wir nicht von einem Dogma oder einer Schablone in die nächste fallen. Meiner Meinung nach müssen wir in Zukunft individuell für jeden Mitarbeiter das passende Arbeitsmodell finden. Das Prinzip Gießkanne ist zu Ende.

 

 

Warum sollte ich jetzt etwas ändern: Wenn sich die ganze Welt ändert, kannst du nicht einfach nichts machen! 

 

Verlasse die alten Schablonen und Muster

Wir müssen nicht die ganze Arbeitswelt komplett auf den Kopf stellen. Es reicht, wenn wir folgende Punkte ansetzen:

  1. Akzeptiere, dass die alten Arbeitsmodelle nur noch teilweise die gewünschten Ergebnisse erzielen.
  2. Respektiere, dass das Prinzip Gießkanne – also der Versuch, alle Mitarbeiter gleich zu behandeln - nicht mehr funktioniert.
  3. Akzeptiere, dass wir unsere alten Schablonen und Muster hinter uns lassen müssen, um neue Arbeitsmodelle und somit Mitarbeiter zu begeistern.

Versuche jetzt nicht, von einem Dogma ins andere zu verfallen. Übe dich stattdessen darin, dich mit den 3 Punkten anzufreunden. Probiere dieses Modell zuerst mit einer kleinen Gruppe aus und sammle Erfahrungen. Stelle dir vor, es spricht sich herum, dass du in deinem Unternehmen ein solches Vertrauensmodell anbietest. Was glaubst du, wie neue Bewerber darauf reagieren werden?

Trau dich.

 

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Results-Only_Work_Environment

(2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3267478/