An diesem Punkt verlieren Unternehmen 30% ihrer Bewerber / Kandidaten

An diesem Punkt verlieren Unternehmen 30% ihrer Bewerber / Kandidaten

  • Begeisterung
  • Der Bruch
  • Wertschätzung

Paul, ein SAP Experte, ruft mich nach seinem finalen Gespräch mit seinem zukünftigen Kollegen und neuen Arbeitgeber zurück und sagt mir im ersten Satz: „Das kann nicht wahr sein, das ist eine absolute Frechheit!“ Doch was ist passiert?

Begeisterung

In den letzten Jahren ist oft die Rede von der optimalen „Candidate Experience“, also die Erfahrungen und Wahrnehmungen, die ein Bewerber während der Kontakt- und Bewerbungsphase mit einem Unternehmen sammelt. Dazu zählen sämtliche Berührungspunkte von Website bis hin zu den Vorstellungsgesprächen. Im Kampf um die besten Arbeitskräfte wird die Candidate Experience für Unternehmen immer wichtiger. So weit, so gut! HR und Recruiting Manager geben sich jede Menge Mühe, ihr Unternehmen in der Außendarstellung optimal auf Hochglanz zu polieren und den potenziellen Kandidaten sowohl von der Stelle als auch dem neuen Arbeitgeber zu begeistern. Um einen IT Experten zu einem Gespräch zu bewegen, benötigt es:

  • eine superspannende Aufgabe
  • einen absoluten Karriereschritt
  • die Erfüllung des jeweiligen Deltas beim aktuellen Arbeitgeber

Also jede Menge Kraft, Energie und Zeit, bis das Gespräch virtuell oder persönlich ansteht. Ich halte fest: Du als HR- oder Recruiting-Experte machst einen super Job!

Der Bruch

Ob telefonisch, virtuell oder auch persönlich – das spielt einfach keine Rolle – deine Fachabteilung ist erfahrungsgemäß schlichtweg nicht gut vorbereitet. Es ist übrigens der Fachbereich, der den neuen Mitarbeiter benötigt – nicht du im HR. Folgende Erfahrungen und Berichte sprechen Bände:  

  • Sie haben sich nicht mit dem Kandidaten und seiner Historie (Unterlagen) beschäftigt
  • Sie treffen keine klare Aussage, was sie dem Bewerber zu bieten haben
  • Sie glauben immer noch, dass der Kandidat froh sein darf, wenn der Manager Zeit für ein Gespräch mit ihm hat etc.

Das hast du bestimmt schon selbst erlebt und dich wahrscheinlich „fremdgeschämt“, oder? Ich habe immer wieder von Kandidaten gehört, die dann genau an dieser Stelle den Prozess abbrechen, weil sie sich nicht wertgeschätzt fühlen.  Ein Prozess auf „Augenhöhe“ sieht anders aus, da stimmst du mir sicherlich zu. Der Kandidat nimmt sich die Zeit, oft sogar einen Tag Urlaub, um diesen Termin möglich zu machen. In meiner letzten LinkedIn-Umfrage haben 30% der Teilnehmer geantwortet, dass sie diese Erfahrung schon gemacht und danach den Prozess aktiv abgebrochen haben. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie sich gegen das Unternehmen entschieden haben.

Als Notausrede höre ich sehr oft, der Mann oder die Dame hätten nicht zum Unternehmen gepasst. Na ja, wenn man sich das leisten kann.

Wertschätzung

Ich komme nochmal auf  die „Candidate Experience“ zu sprechen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sich die Wertschätzung, die du dem Kandidaten entgegenbringst, im kompletten Bewerbungsprozess widerspiegelt - egal ob im Gespräch mit HR oder der Fachabteilung. Das ist die Hauptaufgabe, die du zu organisieren hast. Wertschätzungsbrüche kannst du dir nicht mehr leisten. Alternativ arbeitest du immer mehr für die Tonne!

Mache dir bitte auch bewusst, dass ein unvorbereiteter Manager in der Fachabteilung nicht nur dem Kandidaten keine Wertschätzung entgegenbringt, sondern auch deiner Arbeit nicht.

Fazit

Kümmere dich um die Bruchstelle zwischen dir und der Fachabteilung - du willst hier keinen Kandidaten mehr verlieren.