Empfehlung: Massive Investition in das Thema Mitarbeiterbindung

Empfehlung: Massive Investition in das Thema Mitarbeiterbindung

  • Was Mitarbeiter bindet
  • Teurer Ersatz

 

Ich wurde in den letzten Wochen wiederholt gefragt, welches TOP Thema ich in 2022 und 2023 bei Unternehmen sehen würde. Ich reflektierte diverse Gespräche mit Geschäftsführern und Bereichsleitern, die ich in unseren Workshops für Personalfindung und -bindung geführt habe. Mir war klar, dass es nicht nur um Recruiting – also das Finden von neuen Mitarbeitern geht –, sondern mehr noch um das Thema der Mitarbeiterbindung.

Was Mitarbeiter bindet

Was bindet Mitarbeiter an ihren Arbeitgeber? Eine entscheidende Frage für viele Führungskräfte. Doch es gibt keine pauschale Antwort, denn sie ist für jede Person sehr individuell.

Wertschätzung – dass dies ein zentraler Punkt in der Mitarbeiterbindung sei, darüber sind sich sehr viele Leader und Führungskräfte einig. Doch wie kann es sein, dass im aktuellen Gallup Report(1) die Wechselbereitschaft immer noch bei 68 % liegt?

„Noch immer bescheinigen die Macher der Studie, dass 68 Prozent der Arbeitnehmer und damit der überwiegende Teil nur eine „geringe emotionale Bindung“ zum Arbeitgeber verspürt. Entsprechend hoch ist die Wechselbereitschaft.“

Liegt es bei diesen hohen Zahlen nicht auf der Hand, dass Führungskräfte wohl zu wenig zum Thema Wertschätzung gegenüber ihren Mitarbeitern beitragen? Oder woher kommen diese Zahlen?

Meiner Meinung nach fehlt es Führungskräften in der heutigen Zeit vor allem an Zeit, um ihren Mitarbeitern und Kollegen überhaupt Wertschätzung in unterschiedlichen Formen zuteilwerden lassen zu können. Was früher vielleicht noch leichter war, funktioniert via Zoom nicht ganz so einfach, beispielsweise lobende Worte in einem kurzen Gespräch in der Kaffeeküche.  

Was du als Vorgesetzter aktiv tun kannst:

  1. Triff deinen Mitarbeiter nicht im Office, sondern z. B. zum Lunch in der Nähe seines Wohnorts
  2. Schenke ihm einen klaren Vertrauensvorschuss für seine Arbeit
  3. Behandle ihn als gleichberechtigen Partner
  4. Beziehe ihn in deine Entscheidungsfindung mit ein
  5. Kümmere dich um bzw. interessiere dich auch für sein privates Umfeld – denn hier entstehen oft die größten Herausforderungen

Dein Interesse an dem Mitarbeiter sollte nicht gekünstelt rüberkommen, sondern ehrlich und authentisch dein neues Führungsverständnis spiegeln. Sollte es dir an Empathie oder Zeit dafür fehlen, bist du im falschen Job! Mache den Platz für jemanden frei, der Freude am Thema Mitarbeiterführung und -bindung hat. Und du kümmerst dich um Aufgaben, die dir vielleicht mehr Spaß machen als Mitarbeiterführung.

Mache dir an dieser Stelle nochmal bewusst, dass Mitarbeiterbindung etwas Höchstindividuelles ist - dafür gibt es weder eine Pauschalformel noch einen Trick noch funktioniert das „Prinzip Gießkanne“. Du musst dich mit deinen Mitarbeitern aktiv auseinandersetzen, um eine vertrauensvolle, belastbare Beziehung gedeihen lassen zu können. Auf dieser gewachsenen Basis werden sie dir auch erzählen, was genau sie ans Unternehmen bindet oder eben auch, was ihnen vielleicht aktuell fehlt.

Wie gesagt, wenn du dafür keine Zeit hast, bist du in der falschen Rolle.

Neben Wertschätzung sind Themen wie Sicherheit, Gehalt, Weiterbildung, Karriere, Entwicklungsmöglichkeiten, die Kollegen im Team, Zusammenhalt, Work-Life-Balance, Arbeitszeitmodelle, Image des Unternehmens und Gesundheit nur einige Punkte.

Finde für jeden Mitarbeiter heraus, woran es fehlt oder was gestärkt werden darf, damit sich deine Kollegen wohlfühlen.

 

Teurer Ersatz

Du hast sicherlich auch schon mitbekommen, dass sich die Gehälter in der IT- und Beratungsbranche massiv verändert haben. Im Klartext bedeutet das, wenn du heute einen Mitarbeiter verlierst, kannst du davon ausgehen, dass der noch zu findende neue Kollege deutlich teurer im Jahreszielgehalt sein wird.

Wäre es also nicht angebracht, deinem Teammitglied immer mal wieder freiwillig mehr Geld zu bezahlen?

Wenn du die Kosten für den Einsatz von Headhuntern, zusätzliche Recruiting-Maßnahmen und höhere Einstiegsgehälter für neue Mitarbeiter hochrechnest, sollte dir Mitarbeiterbindung in allen möglichen Facetten doch einiges wert sein.

Und bitte vergiss die aufgestellten internen Gehaltsranges der letzten 10 Jahre – die Spirale hat sich nach oben gedreht und das deutlich.

 

Fazit

Ich kann dir nur empfehlen, massiv in die Mitarbeiterbindung investieren – auf allen Ebenen.

 

(1) https://www.gallup.com/workplace/339842/decades-low-engagement-germany-turn-around.aspx