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Juli 29, 2019

Warum bald Unternehmen zum Vorstellungsgespräch kommen

  • Derzeitige Bewerbungsgespräche finden nicht auf Augenhöhe statt
  • Die Entscheidungsmacht liegt bei den Bewerbern – nicht mehr beim Unternehmen
  • Unternehmen müssen und wollen neue Flexibilität zeigen und beweisen

 

„Sehr gerne würden wir Sie kennen lernen“, sagt das Unternehmen X zum Interessenten und möchte diesem entsprechende Terminvorschläge unterbreiten. Der Kandidat Y möchte gerne das Gespräch wahrnehmen, da auch er interessiert ist. Er schlägt jedoch vor, sich am Donnerstag ab 19:00 Uhr direkt am Frankfurter Flughafen zu treffen, da er sowieso in Frankfurt übernachten wird.  Wie würden Sie als Unternehmen bzw. potenzieller neuer Arbeitgeber entscheiden bzw. reagieren?

Was auf Executive Level schon seit Jahren Normalität ist, wird sich in den kommenden Jahren auch auf weiteren Mitarbeiterebenen durchsetzen.  Interessenten und Führungskräfte treffen sich an neutralen Orten oder bei neutralen Veranstaltungen, um den Menschen mit seinem tatsächlichen Potenzial zu erkennen und kennenzulernen. Es geht in der Personalgewinnung der Zukunft nicht mehr darum, reine Skills abzufragen, sondern den Menschen mit seinem Potenzial, Wünschen, Zielen und Bedürfnissen kennenzulernen und zu erkennen.  Sobald Sie zwei gute Stunden auf Augenhöhe miteinander sprechen können und ähnliche Wertvorstellungen haben, klappt es auch mit der Zusammenarbeit.

Warum begegnen Sie sich nicht auf Augenhöhe?

Um ein klares Signal der Wertschätzung aus Unternehmenssicht zu setzen, helfen Ihnen diese Schritte, um Interessenten und Kandidaten für sich und Ihr Unternehmen zu gewinnen.

  • Treffen Sie sich an neutralen Orten oder teilen Sie sich die Wegstrecke.
  • Schaffen Sie einen Gesprächsrahmen der Offenheit und der Wertschätzung.
  • „You go first“ – Sie als Führungskraft öffnen sich dem Kandidaten, um dann die Chance zu haben, mehr über die Person zu erfahren.
  • Befreien Sie Ihren Gesprächspartner von diesem peinlichen Szenario des Vorstellungsgesprächs.

Fangen Sie damit an, allen in der Personalgewinnung Beteiligten deutlich zu machen, dass die herkömmlichen, langwierigen Einstellungsprozesse zum Scheitern verurteilt sind – erst recht im steigenden Wettbewerb um die besten Talente. Akzeptieren Sie, dass die Entscheidungsmacht bei den Kandidaten liegt und nicht bei Ihnen. Aktive Überzeugungsarbeit können Sie auch im Rahmen individueller Workshops leisten. Holen Sie hierfür das offizielle Kommittment aller Stakeholder ein.

Wie reagieren Kandidaten?

Meine Erfahrungen zeigen: Mit dieser wertschätzenden Geste, dass Sie sich von Beginn an auf Augenhöhe begegnen, erhöhen Sie Ihre Abschlussquoten deutlich. Bewerber fühlen sich durch diesen ehrlichen Prozess wertgeschätzt. Für einen IT-Berater beispielsweise ließ dieser Umgang auf die Qualität des Arbeitgebers schließen – was ihn zur Zusage bewog. Sobald Sie die Person und Ihre Fähigkeiten sehen, steigern Sie Ihre Anzahl von potenziellen Mitarbeitern enorm.

Ihr berechtigter Einwand

„Wir haben nicht die Zeit, den Kandidaten hinterher zu reisen und Sie beim Lunch oder Abendessen kennen zu lernen. Wir müssen hier unserer Arbeit nachgehen.“ Ich sage Ihnen, Sie werden sich in Zukunft diese Zeit nehmen müssen – alternativ gehen Sie in der Personalgewinnung leer aus. Ich bin davon überzeugt, dass Sie in Zukunft noch weitere Schritte machen werden, bevor die Personalgewinnung für Ihr Unternehmen existenziell wird.